Donnerstag, 16. Februar 2012 | Autor: | Artikel ausdrucken

In letzter Zeit habe ich mich ein wenig mit dem Einfluss der erneuerbaren Energien auf die Importabhängigkeit beschäftigt und die Ergebnisse in diesem Papier zusammengefasst. Eine Zusammenfassung möchte ich euch aber an dieser Stelle nicht vorenthalten.

Einleitung und Ziel

Die Stromerzeugung in Deutschland basierte in der Vergangenheit und basiert noch heute zu einem großen Anteil auf den Energieträgern Braunkohle, Steinkohle, Erdgas und Uran. Nicht alle dieser fossilen Brennstoffe werden in Deutschland in ausreichendem Maße gefördert und werden zu einem immer größeren Anteil importiert. Uran wird sogar komplett importiert. Dadurch ist die Stromerzeugung insgesamt zu einem gewissen Maß von Importen abhängig.

Bedingt durch die Diskussion um den Klimawandel und die Gefahren der Kernenergie hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten in Deutschland ein politisches Umfeld entwickelt, das zu einem starken Ausbau der regenerativen Stromerzeugung geführt hat. Da die meisten Formen von erneuerbare Energie als heimische Energiequellen angesehen werden können, untersuchte diese Arbeit den Einfluss der erneuerbaren Energien auf die Importabhängigkeit des Stromerzeugungssystems als Ganzem.

Veränderung des Strommixes in Deutschland in den Jahren 1990 bis 2011

Veränderung des Strommixes in Deutschland in den Jahren 1990 bis 2011

Methodik und Annahmen

Um den Einfluss der erneuerbaren Energien auf die Importabhängigkeit zu bestimmen, wurden zusätzlich zu der tatsächlichen Entwicklung der Importquote der Stromerzeugung zwei Alternativszenarien definiert: Es wurde davon ausgegangen dass die Bruttostromerzeugung aller erneuerbarer Energieträger ab dem Jahr 1999 konstant geblieben sei. Dieses Referenzjahr wurde gewählt, da am 1. April 2000 das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) in Kraft getreten ist, das zu einem starken Ausbau der erneuerbaren Energien geführt hat. In den beiden Alternativszenarien wurde fehlende Energiemenge in dem einen Szenario durch Steinkohle, in dem anderen Szenario durch Erdgas ersetzt.

Ergebnisse

Während die Importquote der gesamten Stromerzeugung in den Jahren von 1996 bis 1999 von 45,6 % auf 50,0 % zu nahm, ist sie ab dem Jahr 2000 relativ konstant geblieben und schwankt seitdem im Bereich von 48,7 % bis 52,2 %, im Mittel 50,8 %. Wäre die regenerative Stromerzeugung hingegen ab dem Jahr 1999 konstant geblieben und die fehlende Energie durch fossile Energie ersetzt worden, so wäre ein deutlicher Anstieg der Importabhängigkeit zu verzeichnen gewesen. Bei einer Ersetzung durch Steinkohle wäre die Importquote bis zum Jahr 2010 auf 60,3 % und bei einer Ersetzung durch Erdgas sogar auf 63,0 % angestiegen. Tatsächlich lag die Importquote im Jahr 2010 aber nur bei 52,2 %.

Reale Entwicklung der Importquote der deutschen Stromerzeugung. Die reale Entwicklung ist den Szenarien mit erhöhter Erdgas- bzw. Steinkohlenutzung gegenübergestellt.

Reale Entwicklung der Importquote der deutschen Stromerzeugung. Die reale Entwicklung ist den Szenarien mit erhöhter Erdgas- bzw. Steinkohlenutzung gegenübergestellt.

Diskussion

In den Jahren 1996 bis 1999 gab es einen deutlichen Anstieg der Importabhängigkeit der deutschen Stromversorgung. Seit dem Jahr hingegen 2000 verändert sich die Importabhängigkeit nur noch kaum, die Importquote stagnierte bei etwas oberhalb der Hälfte der gesamten Stromerzeugung. Es konnte gezeigt werden, dass die verstärkte Nutzung regenerativer Energieträger einen deutlichen Einfluss auf die Importabhängigkeit als Ganzem haben. Der Anstieg der Importabhängigkeit der Stromerzuegung wurde um etwa den Faktor fünf verlangsamt – bei gleichzeitig immer höheren Importquoten bei Steinkohle, Erdgas und Mineralöl. Die Stagnation der Importquote ist also auf die erneuerbaren Energieträger zurückzuführen.

Die Importquote konnte in etwa konstant gehalten werden, obwohl die gesamte Stromerzeugungvon 2000 bis 2010 um 9,0 % anstieg. Bei einer begrenzten inländischen Förderung an fossilen Energieträgern hätte allein dieser Anstieg der Stromerzeugung zu einer Erhöhung der Energieimporte und damit der Importabhängigkeit führen müssen. Der Ausbau der erneuerbaren Energien konnte dies verhindern.

Ausblick

Im Jahr 2011 gab es deutliche Veränderungen in der Stromerzeugung: Als Folge der Katastrophe im japanischen Kernkraftwerk Fukushima wurden in Deutschland im März acht Kernreaktoren zunächst vorläufig und mit Inkrafttreten der Änderung des Atomgesetzes im August dann endgültig stillgelegt. Außerdem zeigte der Ausbau der erneuerbaren Energien Jahr 2011 einen kräftigen Anstieg.

Das Diskussionspapier Veränderung der Importabhängigkeit der deutschen Stromerzeugung in den Jahren 1996 bis 2010 ist in einigen Punkten, insbesondere in der Darstellung der Methodik, ausführlicher und enthält auch Angaben zu den der Berechnung zu Grunde liegenden Datenqellen.

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2 Kommentare

  1. 1
    Irene 

    Hey,

    also ich würde es sehr gut finden, wenn Deutschland den Sprung komplett auf Erneuerbare Energien schaffen würde. Immerhin würde das bedeuten, dass wir uns von Russland oder den arabischen Ländern in keinster Weise mehr unter Druck setzen lassen müssen, da wir nicht mehr auf sie angewiesen sind. Leider wird es aber noch einige Jahre in Anspruch nehmen, bis wir auf externe Energiequellen nicht mehr angewiesen sind.

  1. […] 2012 | Autor: Lukas | Artikel ausdrucken Vor kurzem habe ich hier im Blog einen Artikel zur Importabhängigkeit der deutschen Stromversorgung veröffentlicht. In diese Berechnungen sind damals unter anderem die von der […]

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