Dienstag, 15. September 2009 | Autor: | Artikel ausdrucken

Gastbeitrag von Monne Lentz.

BürgerBlüten - Vorderseite

BürgerBlüten - Vorderseite

Es erinnert an Spielgeld und es ist schwer vorstellbar, dass man mit diesem Geld einkaufen kann, wie mit dem Euro. Aber es geht. Nicht überall. Nur in Läden, die Mitglied im Regio-Verein sind, aber immerhin. Denn das werden immer mehr.

Und ich hab also vor zwei Wochen erstmals mit Regiogeld gezahlt. Mit der BürgerBlüte, die in Kassel und Umgebung als Zweitwährung neben dem Euro im Umlauf ist. Es gibt Ein-, Zwei-, Fünf-, Zehn- und Zwanzig-BürgerBlüten-Scheine. Man kann sie 1:1 gegen Euros eintauschen. Dazu gibt es in Kassel sechs Ausgabestellen. Diese befinden sich in vier Fällen in den Läden, in denen man auch mit dem Geld bezahlen kann. Der Vorteil sind die langen Öffnungszeiten und natürlich, dass man direkt den Betrag umtauschen kann, den man in dem Laden auch ausgeben möchte. Eine ist im Anthroposophischen Zentrum, wo sich das Büro der BürgerBlüte befindet und eines im AstA der Uni Kassel.

Der Sinn von Regiogeld in drei Stichworten:

  • stärkt die Wirtschaft
  • fördert das kulturelle Leben
  • verbindet die Menschen

Regiogeld will regionale Wirtschaftsbeziehungen unterstützen, wiederbeleben und intensivieren. Das gelingt dadurch, dass der/die Konsument/in mit den BürgerBlüten nur in regionalen Geschäften bezahlen kann und die Geschäfte wiederum auch nur Abnehmer für ihr Geld bei regionalen Unternehmen finden. Es wird also ein regionaler Wirtschaftskreislauf aufgebaut, der zur Wertschöpfung der Region und zum Erhalt von Arbeitsplätzen beiträgt.  Wirtschaftskreisläufe sind eben auch und vor allem Geldkreisläufe. Um den Geldabfluss in weltweit verzweigte Finanzströme zu verringern, gibt es in Kassel eine Währung mit der man nur in Kassel bezahlen kann.

Man kann die BürgerBlüte auch zurücktauschen. Allerdings erhält man nur 95% des Geldes in Euro zurück. Das hat zwei Effekte: Man versucht die BürgerBlüten tatsächlich auszugeben, weil man keinen Werteverlust haben möchte. Und die Initiative kann 2% davon nutzen, um das Gutscheinsystem zu finanzieren. Die restlichen 3%, die sie zurück behält, werden als Unterstützung an Projekte gespendet, die regional arbeiten, wie Sport- oder Kulturvereine (deswegen werden diese 3% auch Regionalbeitrag genannt). Hierdurch wird das kulturelle Leben der Region belebt oder zumindest erhalten. Und man kann selber entscheiden, welche Projekte man unterstützen möchte.

Als letzter Gedanke: Geld als Zahlungsmittel hat nur dann einen Sinn, wenn es im Umlauf bleibt. Deswegen gibt es bei Regionalem Geld immer einen sogenannten Umlaufimpuls. Eine BürgerBlüte hat eine Laufzeit von drei Monaten. Danach müssen Wertmarken auf dem Schein aktualisiert werden. Diese kosten zwei Prozent des Werts der jeweiligen Blüte. Der Gedanke dahinter ist, zum einen, wie schon geschrieben, Geld muss im Umlauf bleiben. Der andere der hinter Regiogeld im allgemeinen steht ist der, dass man das Zinssystem komplett neu durchdacht hat.

BürgerBlüten - Rückseite

BürgerBlüten - Rückseite

Bisher ist das Problem, dass die Wirtschaft und die Banken mit einer positiven Zinstreppe arbeiten. Was dazu führt, dass man auf Bargeld keine Zinsen zahlen muss, auf wirklich langfristige Anleihen hingegen zwischen 5 und 10% Zinsen draufgeschlagen werden. Das führt zwangsweise immer dazu, dass jemand, der viel Geld hat, noch mehr erhält und jemand, der eh schon Schulden hat, sich weiter verschuldet. Die Bundesrepublik beispielsweise kann die Schulden nicht nur nicht bezahlen, weil sie schlecht wirtschaften (das auch), sondern auch, weil die Zinsen auf die Schulden exponentiell wachsen.

Regiogeld verfolgt das Ziel, exponentielles Zinswachstum zu verhindern. Deswegen wird Bargeld mit einem Negativ-Zins von 2-5% belegt und langfristige Anlagen (die es noch nicht gibt) würden gar nicht verzinst. Zwei Vorteile: Das Geld bleibt im Umlauf oder aber wird langfristig gelagert ohne dass man sich immer weiter verschuldet.

Ich find die Idee super und muss jetzt mal gucken, wo man Reckenjacken mit Regiogeld bezahlen kann.

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6 Kommentare

  1. 1
    bemu 

    Erst habe ich gestutzt, weil mir der Sinn des Ganzen nicht so recht klar war. Nachdem ich mir den ganzen Artikel durchgelesen und auch weiter recherchiert habe finde ich, dass da ganz gute Ideenansätze dahinterstecken. Und das sagt einer, der täglich mit Geld und Zinsen zu tun hat.

  2. 2
    karli 

    Auf den Punkt gebracht! Die Tatsache, dass das Regiogeld-Konzept nicht nur die regionale Wirtschaft stärkt und als spinoff z.B. die irrsinnigen Transportwege vieler Konsumgüter ausbleiben, ist nur ein – aber wohl der bekannteste – Aspekt dieses Modells. Ebenso bemerkenswert ist aber, „dass man das Zinssystem komplett neu durchdacht hat“. Dies zu kommunizieren wird in der Regel vernachlässigt.

  3. 3
    Ina 

    Auf jeden Fall eine coole Idee. Machen ja auch was her.

  4. 4
    Privat 

    coole idee

  5. 5
    Anonymous 

    Deutschland hat so viel schulden ich weiss gar nicht mit welchen Grundsatz Deutschland geführt wird.Immer nur Kredite nehmen immer mehr Verschulden ich verstehe es einfach nicht.

  1. […] https://blog.lukas-emele.de/… […]

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