Sonntag, 05. Januar 2014 | Autor: | Artikel ausdrucken
Alpenpanorama überm Bodensee

Alpenpanorama überm Bodensee

Wenn man – wie ich – am Bodensee geboren wurde, dann ist man nicht nur an einem großartigen See sondern auch mit einem gigantischen Alpenpanorama aufgewachsen. Dieses Panorama wird von einem Berg dominiert. Er ist bei weitem nicht der höchste sichtbare Berg, so sind beispielsweise die Schesaplana oder der Glärnisch deutlich höher. Da der Säntis aber der höchste Berg der Alpsteinkette ist, der vom Bodensee aus ersten „richtigen“ (das heißt felsigen) Bergkette, wirkt er deutlich höher als alle anderen sichtbaren Berge. Zu dieser optischen Dominanz trägt zusätzlich bei, dass er dem Bodensee seine über 1000 m hohe Nordwand zuwendet. Er wird daher oft auch auch als Hausberg der Bodenseeregion bezeichnet. Für mich (und wahrscheinlich viele andere) ist er schlicht und einfach der Berg.

„Because it is there“ antwortete der britische Bergsteiger George Mallory (1886–1924) auf die Frage, warum er versuchte den Mount Everest zu besteigen. Genau aus dem gleichen Grund „musste“ ich auf den Säntis, ganz einfach, weil er für mich irgendwie schon immer präsent war.

Schon mehrfach war ich auf dem Säntis gewesen – bisher aber immer mit mit Seilbahn hoch- und runtergefahren. In den letzten paar Jahren hatte ich es mehrfach vorgehabt, den Säntis zu besteigen, wenn ich im Sommer am Bodensee war. Doch dann immer kam etwas dazwischen, wie schlechtes Wetter oder Krankheit. Aber letzten August war es dann endlich so weit, ich war fit und das Wetter war klasse.

Blick auf die Schwägalp mit der Talstation der Seilbahn

Blick auf die Schwägalp mit der Talstation der Seilbahn

Ausgangspunkt: Schwägalp (1352 Meter)
Gipfel: Säntis (2502 Meter)
Endpunkt: Wasserauen (868 Meter)
Tag: Donnerstag, 1. August 20131
Anfang: 09:40 Uhr
Ende: 19:20 Uhr
Karte: Kompass Wanderkarte Nr. 112
Appenzeller Land, St. Gallen, Säntis
Maßstab 1 : 50 000
Führer: Rother Wanderführer Appenzeller Land
Kombination aus Tour 7, 8 und 43

Die Anfahrt erfolgt mit der Bahn nach Urnäsch, von dort aus mit dem Postbus weiter zur Schwägalp (1352 m), wo auch die Talstation der Seilbahn ist. Die Seilbahn habe ich dieses mal allerdings hinter mehr liegen gelassen und habe mich auf den Weg Richtung Nordwand gemacht. Zunächst ist es ein harmloser Wanderweg, aber je näher man der eigentlichen Wand kommt, desto steiler und felsiger wird der Weg, um sich dann schließlich in Serpentinen in der Nordwand emporzuschlängeln. Der Aufstieg in der Nordwand lag fast komplett im Schatten, was angesichts der Anstrengung des Emporsteigens ganz angenehm war.

Blick auf den Kronberg (1663 m), dahinter der Bodensee

Blick auf den Kronberg (1663 m), dahinter der Bodensee

Dass ich rasch an Höhe gewann, könnte ich ganz gut am 1663 m hohen Kronberg sehen, der keine vier Kilometer nördlich liegt: Zunächst überragt mich der Kronberg deutlich, aber bald schon war ich auf gleicher Höhe wie dessen Gipfel und schließlich tauchte irgendwann hinter dem Kronberg der Bodensee auf.

Der Grenzchopf (2193 m) überragt das Gasthaus Tierwies (2085 m) deutlich

Der Grenzchopf (2193 m) überragt das Gasthaus Tierwies (2085 m) deutlich

Schließlich gelangte ich nach zwei Stunden zum 2085 m hoch gelegenen Gasthaus Tierwies. In dessen Nähe machte ich dann etwa eine halbe Stunde Pause. Weiter Richtung Gipfel ging es dann am Grat entlang, teilweise über Altschneefelder. Das größte Altschneefeld lag im Kar zwischen Mittelstation der Seilbahn und dem Gipfelaufbau. Die meisten Bergwanderer*innen gingen über dieses Schneefeld, obwohl der Wanderweg daneben und das Schneefeld relativ steil war. Mir war es aber lieber, den offiziellen Wanderweg zu nehmen, den dort fand ich das Gehen angenehmer. Zudem merkte ich so langsam in der Anstrengung die dünner werdende Luft.2

Das letzte Wegstück führt über die

Das letzte Wegstück führt über die „Himmelsleiter“ (die erkennbare Linie auf dem Fels) zur Bergstation

Ab dem Sattel zum Girenspitz führte dann der Weg die letzten etwa 100 Höhenmeter über die sogenannte Himmelsleiter. Das ist mit Stahlseilen und teilweise Metallstiften bzw. -stufen gesicherter steiler Anstieg über blanken Fels. Der Weg endet dann im Bauch der Seilbahnstation. Dann waren es im Inneren der Station nur noch mehrere Stockwerke Treppen zu steigen. Mir kam das ziemlich skurril vor, nach über 1000 Höhenmetern nun innerhalb eines Gebäudes die Treppe zu benutzen, um auf das Gipfelplateau zu kommen. Oben stärkte ich mich und genoss eine Stunde lang den großartigen Ausblick über die beiden (kleinen) Gletscher des Säntis (Gross Schnee und Blau Schnee), auf den Bodensee und den Zürichsee, sowie viele nahe und ferne Berge. Dort oben war ich bei weitem nicht alleine, ist aber bei einem Seilbahnberg auch nicht zu erwarten. Aber angesichts dessen, dass Schweizer Nationalfeiertag war, hatte ich mir noch viel größeren Menschenansammlungen gerechnet.

Lisengrat mit Altmann (2435 m, links) und Chälbersäntis (2377 m, rechts)

Lisengrat mit Altmann (2435 m, links) und Chälbersäntis (2377 m, rechts)

Nach der Pause führte der Weg eine Stunde lang über den Lisengrat immer näher an den 2435 m hohen Altmann heran zum Rotsteinpass (2120 m). Ich gehe gerne Gratwanderungen, denn diese bieten meist wundervolle Blicke. In diesem Fall unter anderem auf den Alpstein, die Bergkette, die vom Bodensee aus so gut zu sehen ist. Allerdings sah ich vom Alpstein, die südliche, also mir unbekanntere Seite.

Am Seealpsee (1141 m)

Am Seealpsee (1141 m)

Vom Rotsteinpass ging es dann deutlich nach unten und knapp oberhalb der Meglisalp (1517 m) vorbei. Schließlich kam ich mehrere hundert Höhenmeter oberhalb des Seealpsee (1141 m) raus und es ging mit schönem Blick auf den See entlang, bevor ein Abstieg in vielen Serpentinen zum See erfolgte. Nachdem ich vom Rotsteinpass bis zum See etwa zwei Stunden gebraucht hatte, legte ich an diesem malerisch gelegenen Beergsee eine erneute Pause ein, die allerdings nicht allzu lang war, da es so langsam spät wurde. Anschließend ging es eine drei Viertel Stunde hinab nach Wasserauen (868 m), wo ich mich schließlich in den Bus nach Appenzell setze setzte und so den Heimweg antrat.

Bildergalerie

Säntis01Säntis02Säntis03Säntis04Säntis05Säntis06Säntis07Säntis08Säntis09Säntis10Säntis11Säntis12Säntis13Säntis14Säntis15Säntis16Säntis17Säntis18Säntis19Säntis20Säntis21Säntis22Säntis23Säntis24Säntis25Säntis26Säntis27Säntis28Säntis29Säntis30Säntis31Säntis32

Album auf Flickr

Auf dieser Tour bin ich mehr als 1100 Höhenmeter auf- und anschließend mehr als 1600 Höhenmeter abgestiegen, das Ganze bei einer Wegstrecke von etwa 16 Kilometern. Daher war ich am Schluss doch ganz ordentlich k.o. Aber ich hatte es geschafft: Vorne auf den Säntis hinauf und hinten wieder herunter. Ein Wunder, dass meine Knie am nächsten Tag nicht tot waren. Inklusive Pausen war ich fast zehn Stunden unterwegs. Ich dachte immer, meine Kondition sei nicht besonders gut, aber ganz schlecht kann sie angesichts dieser erfolgreichen Tour nicht sein.

Anmerkungen:

  1. Der 1. August ist in der Schweiz Nationalfeiertag. Dass ich ausgerechnet an diesem Tag auf den Säntis bin hat aber andere Gründe: Für die Woche, in der ich Zeit hatte, war die Wettervorhersage für diesen Tag am besten. []
  2. Seitdem ich in Berlin wohne habe ich ja überhaupt keine Höhenakklimatisation mehr. []
Be the first to like.

Diese Artikel könnten dich vielleicht auch interessieren:

Kategorie: Unterwegs
Mit diesem RSS 2.0 Feed können Sie alle Kommentare zu diesem Artikel verfolgen. Sie können einen Kommentar abgeben oder Trackback von Ihrer Webseite versenden.
 Kommentieren
Bitte die Kommentarregeln beachten! Ein Abgeben eines Kommentars bedeutet die Akzeptanz dieser Kommentarregeln.


 



Subscribe without commenting