Donnerstag, 22. Juli 2010 | Autor: | Artikel ausdrucken

Letztes Wochenende besuchte ich zum ersten mal in meinem Leben ein Schützenfest. Solche Feste sind eigentlich nicht mein Fall. aber ich wollte mir das zumindest mal anschauen, um mir ein eigenes Bild machen zu können.

Beim Zapfenstreich – einem sehr militärisch anmutenden Ritual  der Schützenvereine – nahmen auch drei Bundeswehrsoldaten teil. (Der Uniform nach zu schließen davon zwei Soldaten des Heeres und ein Soldat der Marine)1 Das irritierte mich schon wenig. Noch mehr aber irritierte mich, dass der Soldat der Marine eine schwarz-weiß-rote Fahne mit Adler trug. Leider hatte ich keinen Fotoapparat dabei, um das ganze zu dokumentieren.

Ich frage mich jetzt, mit welcher Begründung und auf welcher Grundlage nehmen Soldaten überhaupt an privaten Schützenfesten teil und präsentieren dann auch noch geschichtlich belastete Fahnen? Denn schwarz-weiß-rote Flaggen mit und ohne Adler wurden zur Kaiserzeit2  und auch in der Zeit des Nationalsozialismus3 verwendet, beides alles andere als demokratische, sondern autoritäre bzw. diktatorische Systeme. Das Präsentieren einer schwarz-rot-goldenen Flagge mit Bundesadler hätte ich noch verstanden. Wie aber verträgt sich das Zeigen der schwarz-weiß-roten Flagge mit dem Leitbild der Bundeswehr, nämlich dem Staatsbürger in Uniform?

Update 29.07.2010: Da mir das Ganze wirklich sonderbar vorkam, hab ich dem Bundesministerium der Verteidigung einmal eine E-Mail zu dem Thema geschrieben.  Relativ schnell erhielt ich eine Antwort von einem Oberstleutnant (OTL) vom InfoService Bürgeranfragen im Streitkräfteamt der Bundeswehr. Grundsätzlich teilt der OTL meine Bedenken wegen der schwarz-weiß-roten Flagge:

Grundsätzlich ist es auch für Soldaten ohne weiteres statthaft in Uniform an Schützenfesten teilzunehmen. [...]

Auch spricht nichts gegen die Teilnahme einer offiziellen Abordnung der Bundeswehr im Rahmen der gültigen Vorschriften an einer solchen Veranstaltung.4) Dann allerdings keinesfalls mit Fahnen oder Symbolen, die nicht offiziell in der Bundesrepublik Deutschland geführt werden. Eine schwarz-weiß-rote Fahne dürfte von einer solch offiziellen Abordnung der Bundeswehr grundsätzlich nicht geführt werden.

Der OTL fügt auch noch an, dass er bezweifelt, dass es überhaupt “echte” Soldaten waren:

Insofern habe ich erhebliche Zweifel, ob es sich bei den Soldaten um aktive Kameraden handelt, die quasi im dienstlichen Auftrag und damit als offizielle Vertreter der Bundeswehr an der Veranstaltung teilgenommen haben. [...]

[V]ielleicht [waren es] sogar gänzlich Ungediente, die entgegen geltender Bestimmungen auf diesem Schützenfest – aus welchen Gründen auch immer – Uniform getragen haben.

Jetzt weiß ich wenigstens, dass die Bundeswehr an sich keine schwarz-weiß-roten Flaggen oder anderweitig belasteten Symbole nutzen darf. Schon mal eine gute Info. In mir wurmt es aber weiter: Warum bei diesem Schützenfest schwarz-weiß-roten Flaggen benutzt wurde, weiß ich immer noch nicht. Daher habe ich auch noch den Schützenverein angeschrieben. Mal schauen, ob ich eine Antwort bekomme.5

Anmerkungen:

  1. Da ich nicht bei der Bundeswehr war, bin ich mir nicht so ganz sicher, ob meine Einschätzung bezüglich der Truppenteile richtig ist. Aber nach durchsicht dieser Bundeswehr-Broschüre über Uniformen liege ich damit aber auch nocht ganz falsch. []
  2. z.B. mit Adler als Kolonialflaggen []
  3. z.B. mit Adler als Reichsdienstflagge []
  4. Mit Veranstaltung ist Zapfenstreich gemeint. (Fußnote von mir eingefügt. []
  5. Da es mir um die komische Sache mit der Flagge mit den “falschen” Farben geht, und nicht darum, dem Schützenverein eins auszuwischen oder so, erwähne ich hier weder den Namen des Schützenvereins noch den Ort des Schützenfestes. []
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Kategorie: Unterwegs
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Ein Kommentar

  1. Ich hätte da eher ein mulmiges Gefühl, wenn ich Uniformierte bei einer Feier / einem Fest sehe. (auch wenn es “grundsätzlich” nicht verboten ist).

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