“Bauherren sollen Klima retten” titelte gestern die Financial Times Deutschland und bezieht sich dabei auf die Neufassung der EU-Gebäuderichtlinie. Demnach sollen ab Ende 2018 öffentliche Gebäude und ab Ende 2020 private1 Gebäude als Passivhäuser gebaut werden.
Passivhaus bedeutet aber nicht - wie viele denken -, dass das Haus gar keine Heizenergie benötigt. Vielmehr schreibt der Passivhausstandard vor, dass für Heizzwecke nicht mehr als 15 kWh pro Quadratmeter Wohn- bzw. Nutzfläche und Jahr2 verbraucht werden dürfen.
Das dies heute schon geht, zeigen die zahlreichen schon gebauten Passivhäuser. Die Informations-gemeinschaft Passivhaus Deutschland zählt über 13.000 davon. Dass nicht nur Wohngebäude, sondern auch Bürogebäude, im Passivhausstandard gebaut werden können, zeigen unter anderem das PassivSolarHaus in Coelbe und das Energon in Ulm.
Mit dem Passivhaus ist aber nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. So gibt es heute schon Nullenergiehäuser3 und Plusenergiehäuser4.
Jährlich werden in Deutschland Tausende neue Gebäude errichtet. Verglichen mit den Millionen an bestehenden Gebäuden sind das vergleichsweise wenig. Für die bestehenden Gebäude ist die neue Richtlinie blind - hier werden keine Effizienzziele genannt. Ein schweres Versäumnis!
Daher ist die neue Gebäuderichtlinie meiner Meinung nach nicht ambitioniert genug, für Neubauten einen wirksamen Schutz des Klimas und der Energieressourcen vorzuschreiben. Deutlich mehr wäre möglich. Dies sieht auch der NABU5 so und fordert deutlich höhere Anstrengungen zur Energieeinsparung bei Gebäuden:
Anmerkungen:
- Neubauten sollten ab dem Jahr 2015 verpflichten den Nullenergiestandard erreichen.
- Für bestehende Gebäude sollten bei allen energetischen Renovierungen strenge Energieeffizienzanforderungen gelten.
- Bei öffentlichen Gebäuden sollte die jeweiligen Grenzwerte noch früher umgesetzt werden, damit der Staat mit gutem Beispiel vorangeht und neue Märkte für Effizienztechnologien schafft.
- Die EU und die Mitgliedsstaaten sollten finanzielle Anreize für Investitionen von Bauherren und Hauseigentümern in energieeffizientes Bauen schaffen.
- Die effektive Durchsetzung und Überwachung der Richtlinie ist zu gewährleisten.
- damit sind nicht nur Wohnhäuser, sondern auch Industrie- und Gewerbegebäude, die in privater Hand sind, gemeint [↩]
- das entspricht etwa 1,5 Liter Heizöl pro m2 pro Jahr [↩]
- Gebäude, die in der Jahresbilanz gar keine Energie verbrauchen [↩]
- Gebäude, die in der Jahresbilanz mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen [↩]
- Naturschutzbund Deutschland e.V. [↩]




Friday, 20. November 2009
Von der Theorie ist das alles richtig und da kann ich Deinen Aussagen voll zustimmen. Wie sieht aber die Praxis in der Baubranche aus? Da muss man sich fragen wo das viele Geld hingeht, das ein Haus kostet, denn es wird an allem gespart und getrickst. Ein Haus soll so wenig wie möglich kosten, das gilt für weit über die Mehrheit der Neubauten in Deutschland. Die wenigsten Häuser erhalten eine Qualitätssicherung um zu prüfen, ob die zugesagten Standards wirklich eingehalten werden. Ich glaube nicht, dass schon die heutigen Anforderungen an den Wärmeschutz eingehalten werden. Es sind, meiner Meinung nach, vielmehr andere Anforderungen, bzw. Anreize nötig, um wirklich mehr oder nur noch energiesparende Gebäude zu bauen. In Kürze werde ich dazu auch einen Blogbeitrag schreiben.
Tuesday, 8. December 2009
Meine Eltern haben letztens Ihr altes Haus “wärmer eingepackt” und dabei auch noch Fördermittel des Bundes bekommen. Also es gibt auch eine Förderaktion der Regierung, bestehende Gebäude noch besser zu isolieren, sie ist eben leider nicht so bekannt.
Thursday, 7. January 2010
Ich bin in Sachen Passivhäusern bzw. energiesparendes Bauen zwar keine Expertin aber sollten wir uns vor allem auch auf die “alten” Häuser konzentrieren? Hier geht doch am meisten Energie verloren, oder etwa nicht? Ich mein es ist sicher auch wichtig die Neubauten voran zu treiben. Das eigentliche Problem sehe ich aber an einer anderen Stelle. Bitte korrigiert mich, wenn ich hier falsch liege.
Thursday, 7. January 2010
Klar, energiesparende Neubauten begrenzen nur den zusätzlichen Energieverbrauch. Aber in Altbauten kann man wirklich Energie einsparen. Nur ist es schwierig die Eigentümer zur energetischen Sanierung zu animieren oder gar zu verpflichten.
Friday, 8. January 2010
@Andy
Ja, da ist wohl was dran. Ich wäre vermutlich auch nicht gerade hellauf begeistert, wenn ich per Gesetzt dazu gezwungen würde entsprechend umzubauen. Aber von alleine wird vermutlich auch nicht viel passieren. Vielleicht ist es sinnvoll das Ganze über “Anreize” zu machen und die Menschen so zu motivieren. (Hier gibt es schon gewisse Förderungen soweit ich weiß… aber wie gesagt ich bin hier kein Experte ;))