Mittwoch, 30. September 2009 | Autor: | Artikel ausdrucken

Nachdem unter anderem schon Daniel, Franza, Henning, Kathrin, Sebastian und Till eine Wahlanalyse gebloggt haben, kommt von mir nun – entgegen der Überschrift – von mir auch noch eine. Dabei möchte ich versuchen, nicht unbedingt das zu wiederholen, was andere schon geschrieben haben.

Bündnis(un)fähigkeit

CDU/CSU und FDP haben es deutlich besser hingekriegt, sich gegenseitig zu unterstützen: Sehr viele Wähler*innen haben Stimmensplitting gemacht, also Erststimme für die oder den Unionskandidat*in, Zweitstimme für FDP. Im linken Lager hat das bei weitem nicht so gut funktioniert. Bestes Beispiel ist der Wahlkreis 258 Stuttgart I: Während dort bei Schwarz-Gelb das Stimmensplitting funktioniert hat, so haben sich SPD und Grüne gegenseitig bekämpft.

Ausschließeritis

Viele Koalitionsmöglichkeiten waren im Vorfeld schon ausgeschlossen: Jamaika (CDU/CSU/FDP/Grüne) von den Grünen, die Ampel (SPD/FDP/Grüne) von der FDP und Rot-Rot-Grün (SPD/Linke/Grüne) von der SPD. Andere Konstellationen wären zwar auch theoretisch noch möglich gewesen, wie zum Beispiel eine Koalition aus Union und Linke, aber diese wurden niemals diskutiert. So blieben noch übrig die Große Koalition (CDU/CSU/SPD), Schwarz-Gelb (CDU/CSU/FDP) und Schwarz-Grün (CDU/CSU/Grüne). Bei Schwarz-Grün war eigentlich sowieso schon klar, dass diese Koalition allenfalls eine Notlösung gewesen wäre, so dass CDU/CSU als Teil der Regierung mitsamt der Bundeskanzlerin Angela Merkel schon feststand, und es bei der Wahl eigentlich nur noch darum ging, mit wem sie koalieren sollte. Da bereits vier Jahre Große Koalition voller Langsamkeit und Streit hinter uns lagen, haben sich wohl viele Wählerinnen und Wähler entschieden, die Große Koalition abzuwählen und daher der FDP ihre Stimme gegeben.

Die Medien

Sehr geärgert hat mich am Sonntagabend, dass auf allen Sendern zu hören war, dass die SPD ihr schlechtestes Ergebnis eingefahren hat. Gut, das stimmt auch. Aber warum haben sich die Medien nicht auch das Ergebnis der Union einmal etwas genauer angeschaut? Die haben nämlich auch ihr zweitschlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl eingefahren. Nur bei der allerersten Bundestagswahl im Jahr 1949 holte die Union mit 31,0 Prozent ein schlechteres Ergebnis.

Die Kleinen sind nicht mehr klein

Da einerseits FDP, Linke und Grüne alle zweistellige Ergebnisse erzielt haben, andererseits die SPD im unteren 20prozentigen Bereich angelangt ist, so ist es meiner Meinung nach nicht mehr gerechtfertigt von kleinen und großen Parteien zu sprechen. Ich werde die drei genannten Parteien daher in Zukunft als mittelgroße Parteien bezeichnen.

Grüne Erfolge und Misserfolge

Die Grünen hatten drei Wahlziele: Schwarz-Gelb verhindern, drittstärkste Kraft im Bundestag werden und zweistelliges Ergebnis bei den Zweitstimmen. Davon ist leider nur das letzte erreicht worden. Aber es gibt auch einige schöne Erfolge: Die Grünen sind im Wahlkreis 84 Berlin-Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer-Berg-Ost stärkste Partei geworden. Hans-Christian Ströbele hat sogar mit unglaublichen 46,8 Prozent beinahe jede zweite Erststimme geholt! Auch freut es mich sehr, dass mit Agnieszka Malczak und Sven Kindler zwei neue Grüne-Jugend-Mitglieder in den Bundestag eingezogen sind, sowie mit Manuel Sarazzin und Nicole Maisch1 zwei weitere Grüne-Jugend-Mitglieder den Wiedereinzug geschafft haben.

Meine eigene Wahlprognose

Einen Tag vor der Wahl hatte ich ja meine eigene Prognose veröffentlicht. Ich freue mich insbesondere, dass ich bei den mittelgroßen Parteien ziemlich nahe am endgültigen Ergebnis lag.

Zweitstimmen
Partei Prognose Ergebnis Differenz
CDU/CSU 32,4 % 33,8 % +1,4 %
SPD 25,5 % 23,0 % -2,5 %
FDP 14,3 % 14,6 % +0,3 %
Linke 11,6 % 11,9 % +0,3 %
Grüne 11,4 % 10,7 % -0,7 %
Sonstige 4,9 % 6,0 % +1,1 %
darunter Piraten 1,9 % 2,0 % +0,1 %

Anmerkungen:

  1. nur noch Grüne Jugend Hessen, wegen unterschiedlicher Altersgrenzen von Bundes- und Landesverband []
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5 Kommentare

  1. 1
    Michael E. 

    Die SPD gehört eigentlich auch nur noch zu den „mittelgroßen Parteien“, oder? Ich schätze mal, „Große Koalitionen“ von nur zwei Parteien wird es das nächste Jahrzehnt nicht mehr geben – denn eine Koalition, die nur knapp eine absolute Mehrheit erreicht, kann man kaum als „groß“ bezeichnen.

  2. 2
    Lukas 

    meiner meinung nach bezeichnet der begriff „große koalition“ eine koalition, in der die größten fraktionen im parlament die regierung bilden und folglich die zweitgrößte fraktion nicht die oppositionsführerschaft inne hat. ob eine große koalition nur wenige stimmen mehr als die absolute mehrheit hat oder ob sie gar die nötige stimmen für eine 2/3-mehrheit hat, ist imho unerheblich.
    siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fe_Koalition

  3. 3
    René 

    Das Ergebnis war ja zu erwarten. Es wird auch in Zukunft keine Partei geben welche die absolute Mehrheit erreichen wird.

  4. 4
    Zafer 

    Absolute Mehrheit, ja,ja,ja.. Es lebe die Koalition..

    Zafer

  1. […] nach der Wahl gabs dann meine ganz persönliche Wahlanalyse. Tags: BTW, GJH, IAA, Jürgen Trittin, Kassel, Nicole Maisch, Nordhessische.de, Renate Künast, […]

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