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Mittwoch, 17. Mai 2006 | Autor:

Als ich am Sonntag auf der Rückfahrt vom Buko die taz las, ist mir dort ein interessanter Artikel aufgefallen. Er trug den schönen Titel „Auf der Reise nach Liliput“ und beschreibt auf einer ganzen Seite die Errungenschaften und mögliche Entwicklungen, aber auch die Gefahren der Nanotechnik. Und da weder bei der GRÜNEN JUGEND, noch bei Bündnis 90/DIE GRÜNEN groß darüber gesprochen wird, möchte ich zumindest hier in meinem Blog ein paar Zeilen dazu schreiben.

Was ist überhaupt Nanotechnolgie?
In der Wikipedia ist folgende Definition zu lesen:

Nanotechnologie (griech. nánnos = Zwerg) ist ein Sammelbegriff für eine breite Auswahl von Technologien, die sich der Erforschung, Bearbeitung und Produktion von Gegenständen und Strukturen widmen, die in mindestens einer Dimension kleiner als 100 Nanometer (nm) sind. Ein Nanometer ist ein Milliardstel Meter (10-9 m). Diese Größenordnung bezeichnet einen Grenzbereich, in dem die Oberflächeneigenschaften gegenüber den Volumeneigenschaften der Materialien eine immer größere Rolle spielen und zunehmend quantenphysikalische Effekte berücksichtigt werden müssen.

Vereinfacht gesagt könnte man also sagen, Nanotechnik ist das Zusammenbauen von Strukturen aus wenigen oder einzelnen Atomen und Molekülen. Dadurch können ganz neue Werkstoffe geschaffen werden, die es so in der Natur gar nicht gibt.

Das ist doch Science-Fiction!
Das werden sich sicherlich viele Menschen denken, wenn sie das Wort „Nanotechnik“ hören. Aber die Nanotechnik ist schon Realität. Ein paar Beispiele:

  • Es gibt Farben und Lacke, die den Lotusblüten-Effekt aufweisen. Schmutz kann auf diesen Oberflächen einfach nicht Haften bleiben.
  • In Kosmetika und Lebensmittel werden Nanopartikel z.B. aus Zinkoxid oder Siliziumdioxid eingesetzt.

Wo sind die Gefahren?
Nanopartikel sind teilweise ganz neue Stoffe, die es in der Natur nicht gibt. Wie menschliche, tierische oder pflanzliche Zellen darauf reagieren ist weitgehend unbekannt.
Außerdem sind Nanopartikel viel kleiner als übliche Zusatzstoffe. Kleinere Teilchen pro Volumeneinheit ein viel größere Wirkoberfläche als größere. Und die mögliche Reaktionsfähigkeit hängt direkt von der Wirkoberfläche ab.
Manche Nanoteilchen sind schon als gesundheitsgefährdend bekannt, als Beispiel führt der oben erwähnte taz-Artikel sogenannte „Buckyballs“, also Kugeln aus 60 Kohlenstoffen auf. Diese hätten bereits im Laborversuch menschliche Leberzellen getötet und bei Fischen Gehirnschädigungen hervorgerufen.

Forderungen
Wir Grüne sollten viel mehr Beachtung auf dieses Thema legen. Auf der Homepage der Grünen hab ich dazu genau einen Artikel gefunden!
Außerdem sollten meiner Meinung nach, insbesondere für Lebensmittel und Kosmetika, strenge präventive Grenzwerte eingeführt werden. Es kann nicht sein, dass die Politik schon wieder eine möglicherweise gefährliche Technologie verschläft und erst dann aktiv wird, wenn es die ersten Opfer gibt!

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Kategorie: Umwelt  | Ein Kommentar
Montag, 15. Mai 2006 | Autor:

Am Wochenende war ich beim 26. Bundeskongress („Buko“) der Grünen Jugend in Jena. Für mich persönlich war es nicht der 26. sondern der erste. Ganz ins kalte Wasser geschmissen hab ich mich aber dennoch nicht gefühlt. Ganz im Gegenteil, ich fand es sogar sehr spannend: Mehr Leute, mehr Anträge und mehr Diskussionen im Vergleich zu einer LMV.

Besonders hitzig wurde die Diskussion um die Einführung eines Grundeinkommens im Leitantrag geführt. Ich habe schlussendlich zwar für den Leitantrag gestimmt, nicht allerdings ohne leichte Bauchschmerzen beim Gedanken an die Finanzierung zu bekommen. Denn zur Finanzierung des Grundeinkommens wäre eine komplette Reform (und diesmal wirklich eine Reform und kein Reförmchen) des Steuer- und Sozialsystems notwendig. Dies wurde zu wenig auf dem Buko diskutiert. Es fielen lediglich Sätze wie „die Arbeitslosenversicherung kann man dann abschaffen“ oder „wir müssen die Mehrwertsteuer erhöhen“, aber ein richtiges Konzept zur Finanzierung des Grundeinkommens konnte niemand vorlegen.

Ein weiter wichtiger Antrag des Buko war „Stadt der Zukunft„. Ziel sind lebenswerte und grüne Städte. Die aus meiner Sicht wichtigsten Punkte zu diesem Ziel sind:

  • Die Grundsteuer soll in eine Flächenverbrauchssteuer umgewandelt werden.
  • Flächenversiegelung muss eingedämmt und möglichst sogar rückgängig gemacht werden, dabei sollen vorallem auch viele Bäume im Stadtgebiet gepflanzt werden, da diese sich günstig für das Klima in der Stadt auswirken
  • Innenstädte sollen autofrei werden. Für übrige Stadtgebiete soll (mit Ausnahme von Bundesstraßen und Autobahnen) ein generell Tempo 30 gelten. Gleichzeitig soll der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) verstärkt ausgebaut werden. Um die Attraktivität des ÖPNV zu stärken, fordert die Grüne Jugend eine Kostenbefreiung.
  • Sicherheits- und Kontrollwahn entgegentreten! Die Grüne Jugend wendet sich gegen die Videoüberwachung öffentlicher Plätze. Wir sind gegen eine Verdrängung sozialer Randgruppen und drogenkonsumierender Menschen. Drogenkonsumverbote lehnen wir ab, einzig Verbote zum Schutz Dritter vor gesundheitlichen Folgen (z.B. Rauchverbote in öffentlichen Gebäuden) halten wir sinnvoll. Die kommunale Verwahltung soll sich auf das wesentliche konzentrieren. Ordnungswut, die bereits kleinste Verstöße (z.B. das Hinterlassen von Zigarettenstummeln) bestraft, lehnen wir ab.
  • Jugendliche sind ein Teil der Bevölkerung und sollen aktiv in die Kommunalpolitik eingebunden werden. Deshalb fordern wir, dass für Kommunalwahlen das aktive Wahlalter auf 14 Jahre, das passive Wahlalter auf 16 Jahre abgesenkt werden.

Weitere Beschlüsse gibts auf der Homepage der Grünen Jugend.

Was ist sonst noch so passiert?

Gerüchteweise sollen mehrere Dutzend Junggrüne in einem McDonalds direkt neben dem Tagungsgebäude eine Sitzblockade veranstaltet haben. Wer das gewesen sein könnte…. keine Ahnung…

Am Freitag Abend wurde der kapitalismuskritische Dokumentarfilm „The Corporation“ gezeigt. Mir hat der Film im großen und ganzen sehr gut gefallen, auch wenn er zwischendurch etwas langatmig war.

Es gäbe zwar noch einiges über den Buko zu schreiben, aber ich wills damit belassen.

Wenn noch jemand weitere Eindrücke vom Buko lesen will, Julia Seeliger hat einen ausführlichen Artikel (insbesondere zum Leitantrag) in ihrem Blog geschrieben.

Bilder gibts unter anderem hier und hier.

Zu guter letzt noch die Meinung der taz:

Grüne Jugend will Partei sozialer machen
„Nur Öko ist zu wenig“, meint der grüne Nachwuchs und fragt: „Wo bleibt die Gerechtigkeit?“ Der Wunsch: ein Umbau des Sozialstaats nach skandinavischem Vorbild. Parteichef lehnt Forderung nach Grundeinkommen ab und bittet um Realismus

(zum vollständigen Artikel…)

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Kategorie: Grüne Jugend, Politik  | Tags: ,  | Ein Kommentar